Marcel Stawinoga – Vom Treiben in Sodom (2009)

Sie klammerte sich fest an ihre Mutter, als diese Männer kamen, die mit den Schießgewehren. Ihre Mutter regte es sehr auf, dass sie verängstigt wirkte. Und die Männer zögerten nicht lange und schossen; erschossen ihre Mutter. Leblos fiel sie zu Boden. Doch sie, sie wollte ihre Mutter einfach nicht loslassen und klammerte sich weiterhin fest an sie. Da ergriffen die Männer sie, öffneten ihre – die Mutter festhaltenden – Hände und entrissen sie ihrer Mutter, derer sie nun eh schon beraubt war. Sie nahmen sie mit und ließen die tote Mutter zurück.
Und eines Tages da wurde sie von ihnen in einen dunklen Raum gebracht. Es waren vier Männer, welche sie ergriffen und mit allen Vieren von sich gestreckt an ein Bett ketteten.
»Wir haben eine Überraschung für Dich, Alter!« Der eben Gesprochene grinste, der gleich Sprechende grinste und alle anderen grinsten auch. »Eine Überraschung?«
»Es ist etwas ganz Besonderes. Die Überraschung wartet genau hier, hinter den Mauern dieser altehrwürdige Kaschemme.« Er deutete dies aussprechend mit beiden Händen auf: Hotel Genesis. »Zimmer 18,  mein Freund, alles Gute zum 26.; hier ist der Schlüssel.«
Leise schloss er die Tür hinter sich. Der Raum war sehr dunkel, doch zwischen den nicht ganz zugezogenen Gardinen schien ein Balken der Sonne Licht und traf das Bett. Dadurch war das Bett etwa zu einem Drittel erleuchtet. Genug, da er sehen konnte, was dort angekettet lag. Ja, es war alles bereit. Rasch warf er einige Blicke durch den Raum: Ein Zimmer plus Badezimmer, dessen Tür offen stand. Sie waren allein und mehr interessierte ihn nicht, da es die Lust war, welche ihn trieb; jene Lust seinen Trieb zu befriedigen. Er zog sich aus, bestieg das Bett und kniete gebeugt über ihr. So etwas hatte er noch nie getan. Dieser kleine Körper, diese Hilflosigkeit – da sie ja gefesselt war – erregten ihn sehr. Er drang in sie ein und schaute dabei in ihr Gesicht: Wenn Schmerz auf Angst vor noch mehr Schmerz trifft, in einer aussichtslosen Situation, in welcher es keine Hoffnung mehr gibt, dann schaut man wohl so. Wäre sie nicht geknebelt, dann hätte sie gewiss geschrieen. Er vollzog einseitigen vaginalen Geschlechtsverkehr mit ihr und ehe das Treiben seinen Höhepunkt erreichte, wurde die verschlossene Tür gewaltsam aufgestoßen und W.S. – dieser Held unter den Menschen – stürmte mit seinen Helfern in den Raum. Auch Polizeibeamte waren mit ihnen; diese ergriffen den Protagonisten, als W.S. und seine Helfer ihre Fesseln lösten. »Du musst jetzt keine Angst mehr haben.« sprach W.S. mit sanfter Stimme. Sie erkannte ihn als seinen Retter und nachdem er seine Arme nach ihr ausgestreckt hatte, umklammerte sie ihn.
Wenige Stunden später brachte W.S. sie in einem Gehege zwischen zwei anderen weiblichen Orang-Utans unter, denen ein ähnliches Schicksal widerfahren ist.

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