Darwin trifft Noah – Seminar im Rahmen der Gesamttagung für Kindergottesdienst in der EKD zum Thema „Tiere der Bibel im Zoo Dortmund“

Am vergangenen Wochenende fand in Dortmund die Gesamttagung für Kindergottesdienst in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) statt. Im Zoo Dortmund leiteten dazu Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter und ich am 30.5. und am 31.5. jeweils eine Arbeitsgruppe zum Thema „Tiere der Bibel“. Das Seminar im Zoo stand unter der Überschrift „Darwin trifft Noah“.

Vortrag: "Darwin trifft Noah"

Vortrag: „Darwin trifft Noah“

Nach einem Rundgang durch den Zoo zu den entsprechenden Tieren der Bibel stellten wir uns die Frage: Was wäre, würden Darwin und Noah sich tatsächlich treffen? Worüber würden sie sprechen?
Ein lebhaftes Gespräch würde sicherlich aufkommen, denn schließlich weisen Darwin und Noah einige Gemeinsamkeiten auf: So sind beide mit einem Schiff unterwegs gewesen und beide hatten jede Menge Tiere an Bord. Darwin im Namen der Naturwissenschaft und Noah aus Glaubensgründen, jeweils für jeden gewiss ein „Höheres Ziel“, welches Darwin als „Evolution“ bezeichnete und Noah als „Schöpfung“. In einem Gespräch wären die beiden weißhaarigen Bartträger sich sicherlich in einem Punkt einig: Es gilt die Evolution, bzw. Schöpfung zu bewahren.

Worüber würden Darwin und Noah sich unterhalten?

Worüber würden Darwin und Noah sich unterhalten?

Anschließend wandten wir uns Num 22,21-34 „Bileam und die Eselin“ zu (Luther 1984): als Audio hören (Quelle: wordproject.org)

21 Da stand Bileam am Morgen auf und sattelte seine Eselin und zog mit den Fürsten der Moabiter.
22 Aber der Zorn Gottes entbrannte darüber, daß er hinzog. Und der Engel des HERRN trat in den Weg, um ihm zu widerstehen. Er aber ritt auf seiner Eselin, und zwei Knechte waren mit ihm.
23 Und die Eselin sah den Engel des HERRN auf dem Wege stehen mit einem bloßen Schwert in seiner Hand. Und die Eselin wich vom Weg ab und ging auf dem Felde; Bileam aber schlug sie, um sie wieder auf den Weg zu bringen.
24 Da trat der Engel des HERRN auf den Pfad zwischen den Weinbergen, wo auf beiden Seiten Mauern waren.
25 Und als die Eselin den Engel des HERRN sah, drängte sie sich an die Mauer und klemmte Bileam den Fuß ein an der Mauer, und er schlug sie noch mehr.
26 Da ging der Engel des HERRN weiter und trat an eine enge Stelle, wo kein Platz mehr war auszuweichen, weder zur Rechten noch zur Linken.
27 Und als die Eselin den Engel des HERRN sah, fiel sie in die Knie unter Bileam. Da entbrannte der Zorn Bileams, und er schlug die Eselin mit dem Stecken.
28 Da tat der HERR der Eselin den Mund auf, und sie sprach zu Bileam: Was hab ich dir getan, daß du mich nun dreimal geschlagen hast?
29 Bileam sprach zur Eselin: Weil du Mutwillen mit mir treibst! Ach daß ich jetzt ein Schwert in der Hand hätte, ich wollte dich töten!
30 Die Eselin sprach zu Bileam: Bin ich nicht deine Eselin, auf der du geritten bist von jeher bis auf diesen Tag? War es je meine Art, es so mit dir zu treiben? Er sprach: Nein.
31 Da öffnete der HERR dem Bileam die Augen, daß er den Engel des HERRN auf dem Wege stehen sah mit einem bloßen Schwert in seiner Hand, und er neigte sich und fiel nieder auf sein Angesicht.
32 Und der Engel des HERRN sprach zu ihm: Warum hast du deine Eselin nun dreimal geschlagen? Siehe, ich habe mich aufgemacht, um dir zu widerstehen; denn dein Weg ist verkehrt in meinen Augen.
33 Und die Eselin hat mich gesehen und ist mir dreimal ausgewichen. Sonst, wenn sie mir nicht ausgewichen wäre, so hätte ich dich jetzt getötet, aber die Eselin am Leben gelassen.
34 Da sprach Bileam zu dem Engel des HERRN: Ich habe gesündigt; ich hab’s ja nicht gewußt, daß du mir entgegenstandest auf dem Wege. Und nun, wenn dir’s nicht gefällt, will ich wieder umkehren.

Rembrandt Harmensz. van Rijn 122

Bileam und die Eselin,
Rembrandt van Rijn,
Musée des Beaux-Arts de la ville de Paris

Die Eselin kann den Engel sehen. Warum? – Es scheint als verfüge sie über ein wunderbares Wissen, welches „in eine Dimension reicht, die der menschlichen Vernunft, dem reinen Intellekt, nicht zugänglich ist“ (Hagencord, 2008, S. 40). Tiere stehen demnach in einer eigenen Beziehung zu Gott – werden unmittelbar von Gott bewegt, wie Thomas von Aquin in seinem Kommentar zu Psalm 147,9 schreibt. Da die Bibel über das Schicksal der Tiere nach dem Sündenfall schweigt, ist der Gedanke nicht abwegig, dass die Tiere noch immer im Paradies sind. (Hagencord, 2008, S. 16f.)
Bileam kann den Engel nicht sehen. Warum nicht? Menschen haben den unmündigen und räumlich beschränkten Naturzustand verlassen, worauf die Freiheit der Selbstbestimmung folgte und mit der Ausweisung aus dem Paradies einher ging. (Hagencord, 2009, S. 30)

Bileam – der Mensch – und die Eselin – das Tier –  sind Weggefährten und stehen sich in einem Vertrauensverhältnis gegenüber. (Hagencord, 2008, S. 40) Die Eselin versucht Bileam auf etwas aufmerksam zu machen, das er nicht sehen kann, so wie Tiere Indikatoren für Dinge sind, die Menschen nicht wahrnehmen können. So sind beispielsweise einige Tierarten Indikatoren für Umweltveränderungen, da sie sensibler auf Umwelteinflüsse reagieren als andere Arten und vor allem auch als Menschen. Da einige Amphibien zum Beispiel, vereinfacht gesagt, über ihre Haut atmen, macht sie das besonders empfindlich für Umweltverschlechterungen, sodass sie auf eine Veränderung hinweisen, wo Menschen keine Veränderung sehen. Aber auch bei auftretenden Naturkatastrophen ist es häufig so, dass Tiere bereits vor dem Ausbruch der Katastrophe fliehen oder ein Versteck aufsuchen, zu einem Moment, in welchem Menschen noch völlig ahnungslos sind.
Dennoch hat der Mensch gerade durch Gen 1,26 („Herrschaftsanspruch“) Verantwortung für die Tiere (Brandstätter, 2010, S. 12): Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. (Luther 1984) Dies, der Missbrauch der Verantwortung, wird vor allem deutlich, indem die Eselin Bileam bei Num 22,28 fragt: Was hab ich dir getan, daß du mich nun dreimal geschlagen hast? Mit dieser Frage wird „sozusagen der Tierschutzgedanke im Alten Testament geboren“ (Brandstätter, 2010, S. 35).

Der Weg zum Menschen.

Der Weg zum Menschen.

Evolutiv betrachtet tritt die Verantwortung des Menschen gegenüber den Tieren (und seiner Umwelt) mit dem Übergang von tierischen Affen – über die Entwicklungslinie der Menschenaffen – zu menschlichen Affen ein, dem Moment, wo, bildlich gesprochen, sie [Eva] nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß (Gen 3,6 Luther 1984). Die Verantwortung beginnt vor allem also in dem Moment, wo der Mensch beginnt seine Umwelt zu verändern, Eingriffe in die Umwelt vorzunehmen.
Doch was bedeutet dies bezogen auf unseren Umgang mit Tieren? Ist es vereinbar mit unserer Verantwortung gegenüber Tieren, diese in der Massentierhaltung zu unserem Vorteil leiden zu lassen? Ist die Zerstörung der letzten verbliebenen intakten Regenwälder für Soja-Plantagen, zur Fütterung unseres Viehs, oder für Palmöl-Plantagen, um Gewinne zu maximieren, mit dieser Verantwortung vereinbar?

Auch wenn die Erlaubnis zum Fleischverzehr in Gen 9 erteilt wird und „der Vegetarismus […] in der Bibel ‚vorsintflutlich‘ ist“ (Ebach, 2012, S. 15) führt uns doch gerade deshalb der Weg der vegetarischen Ernährungsweise wieder näher heran – zurück – an das Paradies.
Wir Menschen scheinen uns zunehmend weiter vom Paradies zu entfernen, durch unsere immer größer werdende Distanz zu den Tieren und unserer Umwelt, durch Entfremdung von der Natur. So ist die Nähe zu Tieren letztlich eine Annäherung an das Paradies.

 

Literatur

Brandstätter, Frank (2010). Biblische Tierwelten. Darwin trifft Noah. Dortmund: Niekao Lernwelten.

Ebach, Jürgen (2012). Zwischen Lebenskampf und Utopie. Die Tiere im Alten Testament. In Jähnichen, Traugott und Wustmans, Clemens (Hg.) Tierethik (9-17). Kamen: Verlag Hartmut Spenner.

Hagencord, Rainer (2008). Gott und die Tiere. Ein Perspektivenwechsel. Kevelaer: Topos plus.

Hagencord, Rainer (2009). Diesseits von Eden. Verhaltensbiologische und theologische Argumente für eine neue Sicht der Tiere. Regensburg: Verlag Friedrich Pustet.


Die nächste öffentliche Bibelführung im Zoo Dortmund findet übrigens am 24. Dezember 2014 statt. Weitere Informationen dazu finden Sie hier: zoo.dortmund.de. Anmeldungen werden unter der Telefonnummer 0231 50-28628 entgegengenommen. Zudem besteht die Möglichkeit, jederzeit private Bibelführungen unter der eben genannten Telefonnummer zu vereinbaren.

Am Karfreitag (18. April 2014) hatten der WDR online (wdr.de) und das ZDF auf heute.de über eine meiner Bibelführungen berichtet:

Bibelführung am Karfreitag (18. April 2014) im Zoo Dortmund. Foto: WDR/Andreas Sträter

Das Kamel ist eines der am häufigsten Tiere in der Bibel. In der Bibel ist mit „Kamel“ stets das Einhöckrige Kamel, das Dromedar, gemeint, während der Zoo Dortmund das Zweihöckrige Kamel, das Trampeltier, hält. Karfreitag (18. April 2014) im Zoo Dortmund. Foto: ZDF/Ben Esche

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Tierethik

Mit einem kurzen Gedankenlauf bezüglich Tierethik haben wir eine Einleitung zu unserem Blog über veganes Essen, dem Pure Vegetarian Restaurant, gedreht. Die Ausgangsfrage, welche ich Marlon stellte, war: Wie hat man mit Tieren umzugehen?